Was hat ein römischer Pferde-Arsch mit dem Space Shuttle zu tun?

20. Juli 2016

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In der vergangenen Woche unterhielt ich mich mit einigen Geschäftspartnern darüber, welche Paradigmen wir in diesen Zeiten des Strukturwandels ändern müssen. Das Gespräch führte zum Thema, dass für einen Paradigmenwechsel vor allem wichtig ist, Systeme zu ändern, in denen wir gefangen sind, ohne es wirklich zu bemerken.

Wieso zum Beispiel, fragte ich in Runde, sind die Buchstaben auf einer Computertastatur – Q, W, E, R, T und so weiter – gerade so auf den Tasten verteilt, wie sie es sind? Wurde die Anordnung vielleicht wissenschaftlich erforscht, damit wir schneller und besser tippen? Nein, das Layout hat damit nichts zu tun. Als es im 19. Jahrhundert für mechanische Schreibmaschinen eingeführt wurde, war das Ziel nicht, möglichst schnell tippen zu können: Jeder Tastendruck bewegte einen Metallstab, der einen Buchstaben auf das Papier schlug, und wenn man schnell tippte, konnten sich diese Stäbe verhaken, und man musste sie von Hand entwirren. Deshalb wurden die Buchstaben so angeordnet, dass eine optimale und gerade nicht zu schnelle Schreibgeschwindigkeit erreicht werden konnte, auch wenn es bedeutete, dass oft gebrauchte Buchstaben weit auseinander lagen. Danach kam die Kugelkopfmaschine und später Computertastaturen, bei denen sich nichts mehr verhaken konnte, doch die Anordnung der Buchstaben blieb dieselbe.

Nachdem ich diese Geschichte erzählt hatte, fragte einer der Anwesenden: „Wisst Ihr eigentlich, was der römische Pferde-Arsch mit dem Space Shuttle zu tun hat?“

Alle schüttelten die Köpfe.

Wenn man sich das Space Shuttle anschaut, so sagte er, hatte es unterschiedlich große Raketen: Eine große und zwei kleine. Warum waren sie unterschiedlich groß? Bekommt man so mehr Speed in die Rakete? Nein, die kleineren wurden an einem Ort hergestellt, von dem sie mit dem Güterzug wegtransportiert wurden. Und der Zug musste durch einen Tunnel, der natürlich an die normalen Zug-Abmessungen angepasst war. Und wieso sind Züge so breit, wie sie sind? Weil der Abstand zwischen den Schienen eine gewisse Breite hat. Und wieso sind Schienen genau so breit wie sie es sind, und nicht breiter oder schmaler? Unter anderem, weil es eine „seit immer“ definierte Spurbreite für Pferdekutschen gab, an die sich die ersten Eisenbahnbauer anlehnten.

Und diese Spurbreite wiederum hat zu tun mit den Spur-Rillen, die es auf den großen Römer-Straßen für die Räder der Pferdekutschen und Streitwagen gab, und sie waren in etwa so breit wie zwei Pferde-Hintern. Denn die Stangen, mit denen der Wagen an den Pferden befestigt war, gingen links und rechts an den nebeneinander laufenden Pferden vorbei.

Kurz gesagt: Hätten die Römer andere Pferde gehabt, oder wären die Wagen von drei statt zwei Pferden nebeneinander gezogen worden, dann wäre das Space Shuttle vielleicht ganz anders gebaut worden.

Diese beiden Geschichten illustrieren etwas, was wir an vielen Stellen beobachten: Vieles, was einmal festgelegt sich über Jahre, Jahrzehnte und sogar Jahrhunderte einfach so beibehalten wird, und wir uns ungefragt anpassen und es nicht mehr in Frage stellen. Man nennt das Pfadabhängigkeit – je länger eine Technologie besteht, umso schwieriger ist es, neue Wege einzuschlagen. Über Jahre, Jahrzehnte und sogar Jahrhunderte übertragen wir Bestehendes einfach weiter und schaffen es nicht, es völlig neu zu gestalten. Und bessere Modelle bleiben Randerscheinungen, wie z. B. das Dvorak-Layout für schnelleres Tippen. Oder schauen Sie sich an, wie schwerfällig der Wechsel vom Benzin- zum Elektro-Auto vor sich geht.

So viel zur Vergangenheit. Nun lasst uns in die Zukunft blicken und überlegen: An welchen anderen Stellen passen wir uns so stark an? Wo stellen wir nichts in Frage, wo lassen wir uns einschränken?

Wenn es schon damit anfängt, dass wir nicht das volle Potential unseres Zeigefingers ausschöpfen, wenn wir ein falsches Keyboard haben, an welchen anderen Stellen gehen wir nicht in unsere volle Kraft, um unser ganzes Potential auszuschöpfen?

Jeder von uns hat eine Chance, sein Leben kräftig zu optimieren, und das ist es, um was wir uns bei der Win-Win AG seit Jahren bemühen: Sich selbst und Unternehmen auf ein anderes, höheres Niveau zu bringen. Und all dies geht von innen heraus, sobald du wirklich bereit bist, andere Fragen zu stellen und dich fragst:

  • „Muss das so sein?“
  • „Kann ich das besser machen?“
  • „Wie kann ich das besser machen?“

 

Das ist ein wunderbares Nebenprodukt, das sich auch im Seelenpower-Workshop ergibt, an dem wir konsequent an die Frage gehen: „Was will ich eigentlich wirklich wirklich im Leben?“ Denn je freier du von innen heraus bestimmen kannst, was du willst, desto leichter kannst du auch außen Dinge in Frage stellen und herausfinden, wie du sie für dich optimieren kannst, dass du wirklich wirklich das leben kannst, das du leben möchtest.

In diesem Sinne, seid euch immer bewusst: Das Gute ist der Feind des Besseren!

Herzlichst,
Wolfgang Sonnenburg
winning for life