Bedingungsloses Grundeinkommen = bedingungsloses Faulenzen?

Liebe Leserinnen und Leser dieses Blogs,
mit der „Rest of the Worlds und der British Version“ vom 16. Mai 
hatte ich ja bereits angekündigt, dass ich etwas zum Thema 
„Bedingungsloses Grundeinkommen“ schreiben wollte.
Hier nun einige Überlegungen, die mir in der öffentlichen 
Diskussion zum Thema immer fehlen. Um Missverständnisse 
zu vermeiden, die „Wirtschaftlichkeit“ der Idee ist nicht so 
sehr mein Thema. Rein rechnerisch kann es sogar durch den 
Abbau von Sozialhilfe-Bürokratie Geldvorteile geben. 
Zur Zeit sehe ich es ohnehin nicht als realistisch an, 
während des Strukturwandels, Finanzkrise, hoher 
Überschuldung, dass sich der Staat traut ein neues 
Modell zu entwerfen, bei dem es zunächst wieder 
viele neue Arbeitslose geben würde, denn wo sollten 
die freiwerdenden „Bürokraten“ denn hin, wenn nicht 
in die Arbeitslosigkeit? Und es könnte auch zu einem 
neuen „Rassismus“ führen, denn wer darf dieses 
arbeitsfreie Einkommen bekommen? Alle Emigranten
 – ohne Ausnahme?
Aber meine eigentliche inhaltliche Auseinandersetzung 
soll auf einer tieferliegenden Ebene stattfinden. 
Warum sollten wir so etwas wie die bedingungslose 
Grundversorgung, denn wollen?
In den meisten Verfassungen der westlichen Welt ist 
sinngemäß festgeschrieben, „die Würde des Menschen 
ist unantastbar“. Und so wird dann wohl deshalb diskutiert,
 es sei würdelos Tätigkeiten auszuführen, die man nicht 
möchte. Aber wer zwingt einen denn? Wenn gesagt wird 
(schauen sie sich mal auf You Tube Kommentare an) dann 
könnte ich endlich das tun, was ich wirklich möchte, frage 
ich: Warum dann nicht gleich jetzt das tun, was Sie möchten?
Geht nicht, muss ja Geld verdienen, ist dann die Antwort. 
Heisst das, das was „wir“ eigentlich machen möchten, 
kein Geld bringen wird? Wie sollte sich dann auf Dauer 
ein System finanzieren lassen, 
wenn keiner Geld  verdienen möchte? 
Doch wenn man mit dem Geld verdienen kann, 
was man möchte, warum dann nicht gleich ran?
Bitte verstehen Sie mich richtig, eine Gesellschaft, die sagt, 
wir unterstützen jede Person ohne Ausnahme Ihrem Purpose 
(Bestimmung-Einzigartigkeit) zu folgen, entspricht auch 
meinem Traum. Doch glaube ich, dass es nicht über die 
Einführung des „bedingungslosen Unterhaltes“ geht, 
sondern, wenn überhaupt, nur mit einem gesellschaftlichen
Konsens hinsichtlich Werten, Ausbildung und „Kontrolle“ 
der Werte. Was meine ich damit?
Nun, in gewisser Weise haben wir doch schon an vielen 
Stellen bedingungsloses Einkommen. Das was wir 
Sozial-Hilfe nennen ist insoweit bedingungslos, 
als wir keinen Gegenleistung fordern. Es kochen doch 
sogar in der Öffentlichkeit immer wieder die Emotionen 
hoch, wenn diskutiert wird, ob man Empfänger von 
Unterstützung zu Arbeiten für das Gemeinwohl heranziehen 
darf. Wir trauen uns nicht, eine Gegenleistung zu verlangen, 
also ist es doch schon „bedingungsloses“ Einkommen. 
Was haben wir gewonnen dadurch?
Ich habe mal die Initiative Winspiration-Day gestartet, 
weil es in Deutschland über 2 Millionen Kinder gibt, die 
in Familien, die von Sozialhilfe leben, aufwachsen. 
Werden diese Kinder durch das staatliche Geld so gefördert, 
das tun zu können was ihrem Purpose entspricht? 
Wohl eher das Gegenteil. In Deutschland diskutiert man doch 
auch, ob man Kindergeld als Gutscheine ausgeben sollte, 
weil ein Großteil der Eltern es möglicherweise versaufen würde. 
Aber auch auf der „Wohlstandsseite“ haben wir die Probleme mit 
dem Umgang mit „arbeitslosem Einkommen“. Ca. 80% der 
Lotto-Millionäre sind nach 2 Jahren wirtschaftlich schlechter dran 
als vor dem Gewinn. Übertragene und vererbte Vermögen sind 
in der dritten Generation zu ca. 90% verbraucht, 
„Der Vater erstellst, der Sohn erhältst, beim Enkel zerfällst“ 
sagt der Volksmund.
Karl-Heinz Böhm beschreibt im Buch seiner Geschichte über 
seine Hilfsaktionen für Afrika, dass es 20 Jahre brauchte, 
nämlich eine Generation, bis man verstand, dass Brunnen 
nicht versanden müssen, sondern dass man selbst etwas tun 
kann und muss, damit sie funktionsfähig bleiben. 
Prof. Muhammad Yunus hat mir im Gespräch gesagt, dass er 
gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen ist. Lesen Sie 
die Geschichte seiner Erfolgsstory und Sie werden verstehen. 
Er hat Millionen von Menschen aus der Armut geholfen, gerade 
durch Forderung und Förderung, durch das „Erzwingen“ von 
Arbeit. Auf erfolgreicher selbständiger Tätigkeit begründete 
sich die neue Würde der „Mini-Kredit-Empfänger“.
Frau Erna Riegel, sie sprach auf dem Winspiration-Day 2006 
zum Thema Schule kann gelingen, hat in Ihrem gleichnamigen 
Buch dargestellt, welche „Bedingungen“ geschaffen wurden, 
die Kinder zu fördern.  Die Kinder mussten sogar die Schule 
selber reinigen.  Diese Schüler waren die Besten in Deutschland 
gemäß Pisa Studie und happy. Dass erinnert mich an die Weisheit: 
„Vor der Erleuchtung Wasser schleppen – nach der Erleuchtung 
Wasser schleppen.“  Also, wenn die Idee des bedingungslosen 
Grundeinkommens ist, nicht mehr Wasser schleppen zu müssen, 
dann geht es schief.
Wenn es dazu führen soll, dass wir mit einem neuen Bewusstsein 
Wasser schleppen, bin ich sofort dafür. 
Doch was müssen wir dann an „System“ schaffen, dass wir dazu 
eine Chance haben? Wie wachsen Kinder auf, dass sie die 
entsprechenden Werte lernen können. Wir brauchen eine andere 
Bildung dazu. Es macht im Sinne der Evolution doch nur Sinn, 
wenn uns die Freiheit vom Überlebenskampf auf einen neuen 
Level von Bewusstsein und Fähigkeit bringt. Und hierzu fehlt 
uns zur Zeit das Unterstützungssystem. So kann man in 
Deutschland verzeichnen, dass es mehr Sozialfälle seid 
der Einführung der Sozialhilfe gibt als vor der Einführung. 
Und bezüglich Arbeitsvermittlung gibt es heute „Job-Center“ 
(Job = just over broke). Von Beruf und Berufung nichts zu 
spüren. In einer Gesellschaft, in der die Mittelschicht verschwindet, 
bilden sich auch im Bereich Bildung zwei Lager. 
Die hoch gebildeten und die gering gebildeten.
Dies ist ein gesamtgesellschaftliches Problem. Die Einführung 
von kostenfreiem Fernsehen, Wikipedia etc. hat auch nicht dazu 
geführt, dass das Bildungsniveau gestiegen ist. 
Wir brauchen mehr Freude am Lernen und aktivem Umsetzen 
des Gelernten, sonst bekommen wir das Problem wie in 
„The British Version“ im Blog vom 16. Mai dargestellt. 
Wenn wir das Grundeinkommen nur als Ausgleich für die 
„Selbstbedienung“ der Oberen haben wollen, dann hilft es 
uns auch nicht weiter. Aber es sind ja nicht nur die Oberen, 
die sich selbst bedienen. Vor 40 Jahren machte ich ein 
Praktikum bei Siemens. Da gab es eine Stechuhr zur Kontrolle. 
Alle standen schon geschniegelt und gestriegelt und warteten, 
dass sie endlich stempeln durften. Dies war stehlen der Zeit. 
Wo wird ein Bleistift etc. aus dem Unternehmen mitgenommen? 
Also unsere innere Einstellung ist entscheidend, ob ein 
bedingungsloses Einkommen sinnvoll ist. Wenn wir es ri
chtig 
nutzen würden, könnten wir zu neuen Lebensformen und 
Leistungsebenen kommen. Wenn wir unser Bewusstsein nicht 
ändern, würden wir den Staat dann völlig ruinieren.
Von „nischt kommt nischt“, so der Volksmund. 
Nur wenn wir bereit sind uns gesamtgesellschaftlich 
weiterzuentwickeln, kann es klappen. Also ein bisschen Kennedy:
„Frage nicht immer nur, was kann das Land für Dich tun, sondern 
was kann ich für das Land tun“.  
Da gilt oben wie unten, innen wie außen.
Also wir brauchen erst einmal eine neue Vision für die 
westliche Welt, eine neue Wertedefinition und die 
entsprechende Ausbildung dazu.
Jeder kann zu hause in seiner Familie – bei sich – beginnen.
Herzlichst
Wolfgang Sonnenburg
winning for life
P.S. südlich von San Franzisko gab es eine kleine Fischerflotte. 
Nach dem Fang wurden die Fische gleich an Bord 
ausgenommen und Pelikane freuten sich über 
Generationen über die ins Wasser geworfenen Innereien.  
Nach vielen Jahren musste diese Fischerei aus 
Kostengründen eingestellt werden. 
Wie verhielten sich die Pelikane? Sie drohten zu verhungern. 
Sie hatten nicht mehr fischen gelernt.  
Nach vielen Diskussionen, ob man sie füttern sollte, 
entschied man sich aus anderen Regionen Pelikane, 
die gewohnt waren zu fischen, zu holen und dort anzusiedeln. 
So lernten die Pelikane alle wieder zu fischen und wurden 
so gerettet. Hilfe zur Selbsthilfe!
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