Blog

„Am Aschermittwoch ist alles vorbei, und im Mai wird wieder alles Neu.“

So heisst es jedenfalls – doch was ist in der Zwischenzeit?

Zwischenzeit: ein interessantes Wort. In der sogenannten Zwischen-Zeit entscheidet sich wohl, ob und wie intensiv wir leben. Heisst es doch auch, es kommt nicht so sehr darauf an, wie viele Jahre du in deinem Leben hast, sondern wie viel Leben du in deinen Jahren hast!

Was mache ich zwischen diesem und jenem? Diskutiere ich über Work-Life-Balance oder lebe ich?!

Im Zwischen liegt die Kraft. Moleküle, Atome, Elektronen. Wo sitzt die Kraft? Im Zwischen-Raum. Zwischen den Materie-Teilchen. Im Sport, wo ist der Team-Geist? Zwischen den Spielern. Ihn selbst sieht man meist nicht. Aber man kann lernen, ihn zu erkennen. Hast du schonmal die Frage die gehört „was steht denn zwischen euch?“ Achte in Zukunft mal darauf, zum Beispiel, wenn du in einer Wartehalle sitzt, im Flieger … was steht zwischen dir und deinem Nachbarn? Ist da etwas? Vielleicht etwas, was verbindet?

Was trennt, was verbindet? Siehst du es? Im Zwischen ist die Power!

Gerade heute sagte mir jemand, ich will keine normale Be-ziehung. Ziehen, wer will das denn? Geht es ohne?

Mit Samy Molcho machte ich mal ein Seminar mit ca. 100 Teilnehmern. Es ging um Be-Ziehung. Alle bekamen einen Strick, banden ihn sich um den Bauch, und es blieb noch ca. 1 Meter frei schwingend. Dieses freie Ende konnte man mit anderen verbinden. Als alle 100 irgendwie miteinander verbunden waren, begann es den Teilnehmern zu dämmern.
Wenn jemand etwas macht, sich bewegt, hat es schnell Auswirkungen auf alles. Auch auf weiter entfernte Personen.
Ist doch immer etwas zwischen ihnen, was verbindet. Be-ziehung bedeutet, das zu erkennen.

No man is an Island. Niemand ist eine Insel! Alle Inseln sind miteinander verbunden. Und damit auch, dass du Verantwortung hast, wohin du ziehst.

Zwischen-Raum. Beobachtet man Fussballspiel mit jungen Spielern, so ca. 6-8 Jahre alt, sieht man meist ein Knäuel über den Platz laufen. Alle wollen zum Ball. Keinen Raum lassen. Sehr aufwändig und kraftraubend. Später lernen sie, dass nicht alle laufen müssen. Dass vielmehr der Ball laufen muss, und dass Raum-Deckung wichtig ist.

Wo lässt du nicht genügend Raum? Wer lässt dir nicht genügend Raum?

Meditiere mal darüber.

Aber – Wie meditieren wir über „zwischen“?

Vielleicht so: Wenn du im Geist einen Satz siehst, dann siehst du zwischen den Wörtern eine Lücke. Gehe mal gedanklich durch diese Lücke. Wer ist in dem Raum hinter dem Satz? Wer denkt den Satz?

Wenn du achtsamer für das Zwischen und die Räume wirst, wirst du eine neue, grosse, weite, Welt entdecken.

Vielleicht eine wunderschöne. Sicher eine bedeutende.