Wer bereitet uns eigentlich auf eine Welt vor, die noch nicht existiert?

Julia’s Perspektive:

Wer bereitet uns eigentlich auf eine Welt vor, die noch nicht existiert?

Als ich Wolfgang’s obige Gedanken reflektiert habe, bin ich an einer Frage hängen geblieben:

Wenn Wissen überall verfügbar und gleichzeitig immer schneller überholt ist – worauf bereiten wir Menschen uns dann eigentlich vor?

Schauen wir nur einmal auf Schule.
Das Grundmodell ist bis heute weitgehend dasselbe: Ein Erwachsener hat etwas auf der Pädagogischen Hochschule oder Universität von Professoren, die schon länger im Amt sind, gelernt und gibt dieses (meist bereits veraltete) Wissen an Kinder weiter.

Kinder wachsen heute mit Technologien, Kommunikationsformen und Möglichkeiten auf, die ihre Eltern und Lehrer selbst erst kennenlernen müssten.

Während wir noch darüber diskutieren, welches Wissen in einen Lehrplan gehört, verändert künstliche Intelligenz bereits, was es überhaupt bedeutet, etwas zu wissen.

Vielleicht müsste die entscheidende Frage deshalb heute eine ganz andere sein:

Welche Rahmenbedingungen brauchen junge Menschen, um sich in einer Welt entfalten zu können, von der wir selbst noch nicht wissen, wie sie aussehen wird?

Wir hören heute von 14-, 15- oder 16-Jährigen, die Dinge erschaffen, Unternehmen gründen und Möglichkeiten nutzen, auf die Generationen vor ihnen teilweise ein halbes Leben gewartet hätten. Elon Musk stellt einen 14-jährigen ein. Wer würde das in Deutschland machen? Weltweit gibt es viele Teenager, die bereits aus eigener Kraft Millionär geworden sind. Ein 22-Jähriger innerhalb eines Jahres von 0 auf Milliardär.

Ich will damit nicht sagen, dass nur dies erstrebenswert ist. Aber ich vertrete deutlich die Position, dass wir nicht Rahmenbedingungen aufrechterhalten sollten, die dies verhindern. Jede/r sollte in seiner Einzigartigkeit und eigenen Geschwindigkeit wirken dürfen.

Geben wir doch Raum, in dem ein junger Mensch nicht warten muss, bis er irgendwann das richtige Studium abgeschlossen, genügend Berufserfahrung gesammelt oder zufällig den richtigen Menschen getroffen hat!
Einen Raum, in dem Menschen verschiedenen Alters, mit völlig unterschiedlichen Erfahrungen, Fähigkeiten und Sichtweisen zusammenkommen.

Wo ein 16-Jähriger von einem 70-Jährigen lernen kann.
Und der 70-Jährige genauso vom 16-Jährigen.
Nicht, weil einer weiter ist als der andere. Sondern, weil beide etwas sehen können, was der andere vielleicht nicht sieht.

Es gibt diesen alten Satz:
„Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen.“

Ich glaube, dieser Satz bekommt heute noch einmal eine ganz andere Bedeutung.
Denn eine Familie ist schnell eine Bubble. Ein Unternehmen auch. Ein Freundeskreis ebenso. Wir bewegen uns in bestimmten Vorstellungen davon, wie das Leben funktioniert, was möglich ist, was man „zuerst“ machen muss und wann man „so weit“ ist. Und meistens merken wir gar nicht, wie sehr diese Vorstellungen unsere Möglichkeiten begrenzen.

Das Dorf öffnet diese Bubble.

Nicht, weil dort jemand sitzt, der die richtige Antwort für uns hat.
Sondern weil unterschiedliche Wahrnehmungen, Erfahrungen und Fragen aufeinandertreffen.

Und wir brauchen dieses Dorf heute nicht nur für unsere Kinder.

Wir brauchen es für uns selbst.

Genau darin liegt für mich einer der wesentlichen Gründe für Winspiration®COLLECTIVE.

Natürlich gibt es dort auch Wissen.
Wolfgang’s digitaler Zwilling macht beispielsweise Gedanken, Fragen und Reflexionen aus rund 60 Jahren Erfahrung für Menschen zugänglich.

Das Wissen allein ist nicht das Entscheidende.
Entscheidend sind die Rahmenbedingungen, die wir miteinander schaffen.

Dass jemand eine Frage stellt, die ich mir selbst nie gestellt hätte.
Dass mir jemand eine Perspektive zeigt, die in meiner bisherigen Welt gar nicht vorkam.
Dass ein anderer Mensch etwas in mir sichtbar macht, das ich alleine vielleicht übersehen hätte.
Und dass umgekehrt auch meine Erfahrung, meine Wahrnehmung und meine Fragen für jemand anderen genau dieser Impuls sein können.

Das ist kein klassisches Lernen mehr, bei dem einer weiß und die anderen still sitzen und zuhören.
Das ist wechselseitige Entwicklung.

Eine Aufwärtsspirale.

Und das ist eine der großen Aufgaben unserer Zeit:

Nicht mehr darauf zu warten, dass Schule, Unternehmen, Politik oder irgendjemand anderes uns eine Zukunft bereitet. Sondern wir miteinander Rahmenbedingungen schaffen, in denen wir lernen, wahrzunehmen, zu hinterfragen, zu ent-lernen, neu zu sehen – und unsere eigene Entwicklung bewusst gestalten.

Ich lade Sie ein, mitzuwirken:
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Julia Bauer